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Mehr Schaden als Nutzen – Mandeloperationen

Baby/Kinder
Nach einer britischen Studie sind 9 von 10 Mandeloperationen bei Kindern überflüssig.

Eine Mandelentfernung ist eine der häufigsten Operationen beim Kind.
Bild: pixabay website5
Mandeln oder lateinisch Tonsillen haben eine wichtige Funktion innerhalb des körpereigenen Immunsystems. Sie entdecken eindringende Krankheitserreger noch bevor sie über die Atemwege in den Körper eindringen können und bekämpfen sie. Ist das Immunsystem geschwächt, oder aber wie bei kleinen Kindern noch nicht ausgereift, schaffen es die Mandeln nicht immer die Erreger abzuwehren. Die Erreger, Bakterien oder Viren können so in das lymphatische Gewebe eindringen.

So kommt es zur Entzündung der Gaumenmandeln und dem sogenannten lymphatischen Rachenring. Beides schwillt dann an und verengt den Hals, es kommt zur Angina (Mandelentzündung).

Symptome einer Angina sind:

  • Rötungen im Rachenraum
  • Halsschmerzen mit Ausstrahlung in den Ohren und dem Kiefer
  • Schluckbeschwerden
  • Gaumenmandeln sind gerötet, geschwollen und mit gelblich-weißlichen Eiterflecken belegt
  • vermehrter Speichelfluss und Mundgeruch
  • Fieber
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Lymphknoten am Hals und Kiefer sind geschwollen
Meistens sind Viren die Auslöser einer Mandelentzündung, manchmal aber auch Bakterien. Die bakterielle Angina ist medizinisch gesehen schwerwiegender. Sie wird von Streptokokken (deshalb auch Streptokokken-Angina) ausgelöst und ist noch ein bisschen unangenehmer als die virusbedingte Angina.

Zur Studie

Die britischen Forscher der University of Birmingham kamen zu dem Ergebnis, dass 88 % der Operationen zur Entfernung von Mandeln bei Kindern unnötig seien.

In einem Jahr finden laut den Wissenschaftlern in Großbritannien etwa 37.000 Mandelentfernungen bei Kindern statt. Wobei die Mehrzahl dieser Kinder keine Operation gebraucht hätte. Andererseits erhielten tausende Kinder, die die Voraussetzungen für das Herausnehmen ihrer Mandeln hätten erfüllen müssen, keine Operation.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie Aufzeichnungen von Hausärzten aus mehr als einem Jahrzehnt aus. So wurden insgesamt Daten von mehr als 1,6 Millionen Kindern berücksichtigt. Marshall und seine Kollegen beschreiben im British Journal of General Practice, wie sie eine Forschungsdatenbank durchsucht haben, in der anonyme elektronische Krankenakten aus 739 Allgemeinpraxen im Vereinigten Königreich abgelegt werden. Sie analysierten Aufzeichnungen zwischen 2005 und 2016 für Kinder bis 15 Jahre.
Nach Auswertung der Daten kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass nur wenige der Kinder und Jugendlichen Hinweise darauf hatten, dass die Operation notwendig ist.

„Wenn Ihr Kind häufig an einer schweren Mandelentzündung leidet, bietet eine Operation einen gewissen Vorteil", sagt Tom Marshall der an der Studie mitgearbeitet hat. Allerdings gebe es kaum Hinweise darauf, dass der Eingriff langfristig Vorteile biete.

Reinhard Berner, Klinikdirektor an der Dresdner Uniklinik empfiehlt erst zu operieren, wenn ein Kind innerhalb eines Jahres häufiger als sechsmal an einer Mandelentzündung erkrankt, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Zudem sei eine OP ratsam, wenn vergrößerte Mandeln beim Schlafen für Atemaussetzer sorgen. Leidet ein Kind seltener als dreimal im Jahr an einer Mandelentzündung, sollte auf eine Operation verzichtet werden.

Die sogenannte Tonsillektomie ist auch in Deutschland eine der häufigsten Operation am Kind.

Im vergangenen Jahr wurden nach Daten des Statistischem Bundesamt in Deutschland ca. 31750 Kinder im Alter bis 15 Jahren die Gaumenmandeln entfernt.

Für Deutschland ist eine Neubewertung von Nutzen und Risiken bei Mandeloperationen für Ende 2019 geplant.

Erst vor kurzem hatte eine Studie gezeigt, dass eine Entfernung der Mandeln sogar schaden kann. In dieser Studie wurden Kinder, denen die Gaumenmandeln entfernt wurden bis zum 30. Lebensjahr medizinisch begleitet. Demnach hatten diese ein fast dreimal so hohes Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege im Vergleich zu Nichtoperierten. Es wurde jedoch nicht untersucht, ob die Operationen für das spätere erhöhte Krankheitsrisiko verantwortlich waren oder ob es an anderen Faktoren lag. Die Studie wurde von Wissenschaftlern aus Australien, den USA und aus Dänemark erarbeitet.
Nach dieser Studie haben Kinder später ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen, Infekte und Allergien.

Ein Team um Dr. Sean Byars von Universität Melbourne, Dr. Stephen Stearns von der Yale University und Dr. Jacobus Boomsma von der Universität Kopenhagen analysierte für die Studie Patientendaten aus Dänemark, die 1.189.061 Kinder erfassten, die zwischen 1979 und 1999 geboren wurden. Sie wurden mindestens die ersten 10 Jahre und bis zu 30 Jahren weiterbeobachtet.

Die Auswertung der Daten ergab, dass von den fast 1,2 Millionen Kindern 17.460 eine Rachenmandelentfernung, 11.830 eine Gaumenmandelentfernung und bei 31.377 Probanden wurden Rachen- und Gaumenmandeln Entfernung durchgeführt. Diese Daten wurden anschließend mit den Daten der Kinder verglichen, die solch eine Operation nicht erhalten hatten.

Das Ergebnis war, dass die Tonsillektomie mit einem fast verdreifachten relativen Risiko für Erkrankungen der oberen Atemwege verbunden ist.

Hierzu gehören zum Beispiel Asthma, Pneumonie und die COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung).

Ein mehr als doppeltes Risiko war bei der Rachenmandelentfernung (Adenoidektomie) an COPD zu erkranken. Zudem lag das Allergie-Risiko wesentlich höher.

Das Fazit der Wissenschaftler war, dass die Mandeloperation bei Kindern ein spätes erhöhtes Risiko für Infekte und Allergien bedeutet.

In schwierigen Fällen wird eine Operation immer nötig sein, nur sollte die Entscheidung immer vorsichtig getroffenen werden.

Zu bedenken ist immer, dass Gaumen- und Rachenmandeln die Entwicklung des kindlichen Immunsystems unterstützen und die möglichen Risiken für spätere Erkrankungen verringern könnten.

Veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin JAMA Otolaryngology - Head & Neck Surgery.

November 2018
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Bitte beachten Sie: Die hier gefundenen Informationen ersetzen keinen Arztbesuch. Wenden Sie sich bei Krankheiten und Beschwerden an einen Homöopathen oder Arzt.
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