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Stuhlinkontinenz – Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Kaum ein Betroffener, der unter Stuhlinkontinenz leidet, spricht darüber – zu groß ist das Schamgefühl. Dabei schränkt die Inkontinenz die Lebensqualität enorm ein, ein normaler Ablauf des Alltags ist kaum möglich, da die Angst und Unsicherheit vor unkontrollierter Darmentleerung immer dabei sind.

Tatsächlich leiden laut Schätzungen etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland unter der nicht kontrollierbaren Ausscheidung ihres Stuhls. Zwar kann es zu einer Stuhlinkontinenz in jedem Alter kommen, jedoch sind insbesondere ältere Menschen davon betroffen. Frauen leiden häufiger an einer Stuhlinkontinenz als Männer, was anatomisch zu begründen ist.
Was bedeutet Inkontinenz?

Inkontinenz bezeichnet den Zustand der unkontrollierten Abgabe des Körpers von Harn oder Stuhl.
Stuhlinkontinenz - Beschreibung

Menschen, die unter Stuhlinkontinenz leiden, sind nicht in der Lage, ihre Stuhlentleerung oder ihre Darmgase zu kontrollieren. Das heißt, dass der Darm sich ungewollt entleert. Der Fachbegriff für diese Darmschwäche lautet anorektale Inkontinenz.

Die Stuhlinkontinenz wird in drei Grade eingeteilt, und zwar:

Grad 1 - Leichte Inkontinenz: Darmgase gehen unkontrolliert ab.

Grad 2 - Mittlere Inkontinenz: Darmgase und flüssiger Stuhl gehen unkontrolliert ab.

Grad 3 – Schwere Inkontinenz: Darmgase, flüssiger und fester Stuhl gehen unkontrolliert ab.

Neben der Einteilung der drei Schweregrade der Stuhlinkontinenz gibt es noch zwei weitere Formen, die auch in den Bereich der Stuhlinkontinenz fallen. Das sind das Stuhlschmieren und die sogenannte Dranginkontinenz (Urge-Syndrom).

Stuhlschmieren: Als Stuhlschmieren wird der Abgang geringer Stuhlmengen bezeichnet.

Dranginkontinenz: Bei einer Dranginkontinenz muss der Betroffene umgehend eine Toilette aufsuchen, sobald er den Stuhldrang bemerkt. Ist der Stuhl bereits im Enddarm angekommen, ist es zu spät und der Stuhl kann nicht mehr zurückgehalten werden.
Stuhlinkontinenz - Ursachen

Für eine Stuhlinkontinenz kann es viele Ursachen geben. Je nach der Ursache wird die Stuhlinkontinenz in zwei Kategorien eingeteilt, zum einen in die primäre Form und zum anderen in die sekundäre Form.

Primäre Form der Stuhlinkontinenz

Die primäre oder auch neurogene Form der Stuhlinkontinenz ist auf eine Nervenschädigung zurückzuführen.

Folgende Ursachen sind hierfür möglich:

  • Querschnittslähmung
  • Operation im Beckenbereich
  • Multiple Sklerose
  • Demenz
  • Bandscheibenvorfall
  • Angeborene Fehlbildung im Bereich der Wirbelsäule

Diese Erkrankungen können dazu führen, dass eine kontrollierte Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, so dass eine Stuhlinkontinenz die Folge sein kann.

Für die sekundäre Stuhlinkontinenz können folgende Ursachen möglich sein:

  • Chronische entzündliche Darmerkrankungen, wie z. B. Morbus Crohn
  • Geschwüre im Enddarm
  • Schädigung der Nerven im Enddarm
  • Verletzung des Schließmuskels am After
  • Analprolaps (Vorfall der Schleimhaut aus dem Analkanal durch den Anus)
  • Beckenbodenschwäche
  • Altersbedingte Muskel- und Bindegewebsschwäche
  • Starkes Übergewicht
  • Psychisch bedingte Faktoren
  • Dauerhafte Einnahme von Abführmitteln
Stuhlinkontinenz - Symptome

Wenn mal was in der Unterhose landet, beispielsweise wenn man bei einem Durchfall es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette geschafft hat, ist das sicherlich noch kein Grund zur Besorgnis. Auch nicht, wenn es mal passiert, dass man in Gesellschaft laut hörbar oder riechbar „einen fahren lässt.“

Wenn diese „Missgeschicke“ sich jedoch häufen, sollte man sich schon Gedanken machen. Wenn man quasi immer eine Toilette in der Nähe haben muss und den Stuhldrang nicht aufhalten kann, erst recht, wenn es fester Stuhl ist und wenn die Unterwäsche häufig mit Kot verschmiert ist, können das erste Anzeichen einer Stuhlinkontinenz sein. Wenn einem bewusst wird, dass man trotz Anstrengung, Blähungen und Stuhlgang nicht mehr selbst kontrollieren kann, sollte man sich nicht scheuen und seinem Hausarzt davon berichten.
Stuhlinkontinenz - Diagnose

Eine Stuhlinkontinenz ist behandelbar. Daher ist es wichtig, auch wenn es einem noch so peinlich ist, mit einem Arzt darüber zu sprechen und sich untersuchen zu lassen. Die Stuhlinkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung, sondern es steckt immer eine Ursache dahinter, die diese ausgelöst hat.

Erste Anlaufstelle ist zunächst der Hausarzt. Im Gespräch mit dem Arzt ist es wichtig, die Symptome detailliert zu schildern. So zum Beispiel, wie häufig unkontrollierte Darmgase abgehen, ob die Unterwäsche regelmäßig verschmutzt ist, ob der Stuhl nur bei flüssiger Konsistenz abgeht oder ob auch fester Stuhl nicht gehalten werden kann. Im Weiteren können auch häufiger Durchfall, Verstopfung oder Stuhldrang im Zusammenhang mit der Stuhlinkontinenz stehen sowie auch Magenkrämpfe, Blähungen und eine Blasenschwäche.

Um die Diagnose stellen zu können, ist eine körperliche Untersuchung nötig. Bei der rektalen Untersuchung tastet der Arzt mit dem Finger den Enddarm nach Auffälligkeiten ab. Anschließend erfolgt die Spiegelung des Analkanals und des Mastdarms (Proktoskopie und Rektoskopie). Eine weitere Maßnahme, falls erforderlich, ist dann die Darmspiegelung (Koloskopie), bei der der gesamte Dickdarm untersucht wird und auch Abstriche der Analschleimhaut und Gewebeproben der Darmschleimhaut entnommen werden können, um diese labortechnisch untersuchen zu lassen.

Um beurteilen zu können inwieweit die Kontraktion (das Zusammenkneifen) des Schließmuskels noch funktioniert, ist die sogenannte Druckmessung hilfreich. Bei dieser Untersuchung wird ein Messfühler in den Enddarm eingeführt, der die Druckverhältnisse, das heißt, den Wechsel von Zusammenkneifen (Kontraktion) und Entspannen elektronisch aufzeichnet.

Des Weiteren können bildgebende Verfahren, wie Ultraschalluntersuchung (Sonografie), Magnetresonanztomografie (MRT) sowie das Röntgen des Enddarms als nötige Untersuchungsmaßnahmen eingesetzt werden.
Bilder: fotolia.de
Stuhlinkontinenz – Behandlung

Je nach Ursache der Stuhlinkontinenz wird der Hausarzt, wenn nötig, Sie zu einem Facharzt oder einer Fachkraft überweisen. Das können sein:

  • Proktologe: Facharzt für Erkrankungen des Mastdarms.
  • Chirurg: Facharzt bei Erkrankungen oder Verletzungen, bei denen ein operativer Eingriff erforderlich ist.
  • Neurologe: Facharzt für Nervenerkrankungen.
  • Facharzt für Geriatrie: Der Geriater ist spezialisiert auf die Behandlung von alten Menschen.

Des Weiteren kommen Fachleute wie Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und Pflegefachkräfte sowie Ernährungsberater in Frage.

Grundsätzlich gilt es die Ursache, die zu der Stuhlinkontinenz geführt hat zu behandeln. Die Behandlung selbst hängt jedoch von dem Schweregrad der Inkontinenz ab.
Ernährung

Bei der leichten Stuhlinkontinenz (Grad 1: Darmgase gehen unkontrolliert ab), kann bereits eine Ernährungsumstellung helfen, um Blähungen zu vermeiden. Der Stuhl sollte von geschmeidiger Konsistenz sein, das heißt, nicht zu weich und nicht zu fest. Um das zu erreichen, ist eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen mit ausreichender täglicher Flüssigkeitszufuhr. Unterstützend für eine normale Stuhlkonsistenz sind zum Beispiel indische Flohsamen (erhältlich in Drogerien) und ganz einfach Bewegung. Zu empfehlen ist ein sogenanntes Stuhltagebuch. Hier tragen Sie ein, was Sie täglich essen und trinken und wie oft Sie täglich Stuhlgang haben und von welcher Konsistenz der Stuhl ist. So können Sie schon einmal Lebensmittel ausgrenzen, die Ihnen nicht guttun.

Wer Hilfe für einen ausgewogenen Ernährungsplan benötigt, sollte sich von einem Ernährungsberater/in einen Plan aufstellen lassen.
Beckenbodentraining

Um den Beckenboden zu stärken, hilft regelmäßiges Beckenbodentraining. Gerade Frauen, die ein oder mehrere Geburten hinter sich haben, sollten ihre Beckenbodenmuskulatur durch regelmäßiges Trainieren stärken; denn auch viele Jahre nach einer Entbindung kann die Muskulatur, dann auch mit zunehmendem Alter, erschlaffen.
Medikamente

Je nachdem ob der Stuhl weich oder fest ist, können Medikamente zur Regulierung eingesetzt werden. So helfen Laxanzien (Abführmittel), den Dickdarm zu stimulieren. Sogenannte Mobilitätshemmer hingegen verlangsamen den Transport durch den Darm, so dass die Häufigkeit des Stuhlgangs verringert wird.
Elektrostimulation

Die Elektrostimulation ist eine angewandte Methode, um die Schließmuskelfunktion zu verbessern. Dabei wird der Schließmuskel durch Reizstrom passiv angespannt. Diese Therapie erfordert allerding vom Betroffenen Geduld und Durchhaltevermögen ab, da es bis zum Erfolg einige Wochen dauern kann.
Bilder: pixabay website5
Toilettentraining

Den täglichen Toilettengang selbst bestimmen – dazu gehört Disziplin und Ausdauer. Hilfreich ist hierbei ein gut geführtes „Stuhltagebuch“.
Hilfsmittel

Die zuvor beschriebenen Behandlungsmethoden bei einer Stuhlinkontinenz werden das Problem nicht sofort lösen, so dass für den Istzustand einige Hilfsmittel zur Verfügung stehen, die den Betroffenen helfen, ihren Alltagsablauf weitestgehend normal zu führen. Dazu gehören:

  • Inkontinenzeinlagen
  • Windeln/Windelhosen für Erwachsene
  • Analtampons
  • Stuhlauffangbeutel
Operation

Sind Nervenschädigungen oder Verletzungen die Auslöser einer Stuhlinkontinenz wird wahrscheinlich ein operativer Eingriff nötig sein.

Bei Nervenschädigungen am Enddarm kann ein Schrittmacher in das Gesäß implantiert werden, der die Nerven des Schließmuskels stimuliert und dadurch die Muskeln aktiviert werden. Das heißt, der Schließmuskel zieht sich zusammen, so dass der Stuhl nicht entweichen kann. Für das Entleeren des Stuhls, schaltet man den Schrittmacher aus.

Ist der Schließmuskel innerlich oder äußerlich verletzt, was zum Beispiel während einer Entbindung bei einem Dammriss passieren kann, müssen die Muskelrisse genäht werden, um den Schließmuskel wieder voll funktionsfähig zu machen.

Ist der Schließmuskel nicht mehr behandelbar, aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung oder Erkrankung, kann der Chirurg versuchen den Schließmuskel wiederherzustellen bzw. nachzubilden. Es gibt hierzu zwei Operationsmöglichkeiten. Zum einen wird dafür aus einem Muskel des Oberschenkels der Schließmuskel versucht wiederherzustellen oder es wird mit künstlichem Material der Schließmuskel nachgebildet. Beide Operationsmethoden sind sehr aufwendig und können zu Komplikationen führen.

Die letzte Möglichkeit ist der künstliche Darmausgang (Anus praeter). Dieser kann vorübergehend gelegt werden, um beispielsweise bei Verletzungen oder Entzündungen den gesamten Bereich zu entlasten und zu schonen. Ein künstlicher Darmausgang wird aber auch, wenn unbedingt erforderlich, als dauerhafte Lösung eingesetzt.
Stuhlinkontinenz - Vorbeugen

Da die Ursachen einer Stuhlinkontinenz sehr vielseitig sein können, ist es nicht möglich, grundsätzlich dagegen vorweg etwas zu. Einige Mittel und Maßnahmen helfen jedoch, den Darm nicht unnötig zu reizen oder zu belasten. Dazu gehört Übergewicht zu vermeiden, da dadurch der Druck auf den Bauchraum erhöht wird. Regelmäßige Bewegung und Übungen, die den Beckenboden stärken, sind zu empfehlen. Bei der Ernährung sollte man darauf achten, den Darm nicht ständig zu reizen, wie etwa durch scharf gewürztes Essen oder durch zu viel Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke oder Alkohol.

Eine Stuhlinkontinenz sollte kein Tabuthema sein. Auch wenn man verständlicherweise nicht so darüber spricht, wie zum Beispiel über eine Erkältung, so ist das Thema für Ärzte nichts Ungewöhnliches. Deshalb sollten Sie sich nicht davor scheuen mit ihrem Arzt darüber zu sprechen, je eher desto besser die Erfolgsaussichten einer Behandlung.
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Bitte beachten Sie: Die hier gefundenen Informationen ersetzen keinen Arztbesuch. Wenden Sie sich bei Krankheiten und Beschwerden an einen Homöopathen oder Arzt.
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